Lebensporträts bedeutender deutscher jüdischer Frauen
Zeichnungen, Sprechblasen, Töne – all diese Elemente fügen sich im Comic-Konzert zu einem „neuen Genre“ (DeutschlandradioKultur) zusammen. Die zum Teil komponierten und zum Teil improvisierten Vertonungen verknüpfen sich mit den gleichzeitig projizierten Bildern und Texten der Comics und Graphic Novels zu einem synästhetischen Erlebnis.Das musikalische Element tritt dabei nicht nur untermalend, sondern gleichrangig zum graphischen Element auf. Dadurch schafft der Komponist und Pianist Itay Dvori eine ganz neue und eigenständige Ausdrucksform, die sich z. B. von der musikalischen Begleitung von Stummfilmen oder Comic-Lesungen deutlich absetzt. Das Konzert ähnelt zwar einem Kinoabend, jedoch mit der Besonderheit, dass die „Filme“ viel Raum, Zeit und vor allem Freiheit für die Musik lassen, denn das Tempo und das Timing des Bilderwechsels werden von ihr bestimmt. Zusammen mit den individuellen Vorstellungen des Publikums füllen die Vertonungen die Leerstellen zwischen den Comic-Panels. Dabei entsteht eine abstrakte „Live-Animation“ der Bilder.
Anlässlich „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ präsentierte der Komponist und Pianist Itay Dvori erstmalig seinen neuen Klavierabend mit Musik zu Graphic Biographies über fünf bedeutende deutsch-jüdische Frauen des 20. Jahrhunderts. Was bedeutet es, jüdisch zu sein in Deutschland? Und was für eine Rolle spielt es dabei, eine Frau zu sein? Fragen der Zugehörigkeit und Identität beschäftigen deutsche Jüdinnen und Juden seit Jahrhunderten. In den letzten Jahren fanden sie vermehrt Widerhall in Graphic Novels, die sich mit dem Leben und Wirken von prägenden jüdischen Persönlichkeiten auseinandersetzen.
Porträtiert werden die Philosophin Hannah Arendt, die erste Rabbinerin Regina Jonas, die Mathematikerin Emmy Noether, die Dichterin Mascha Kaléko sowie die Schauspielerin Hanna Maron (das Buch über sie ist gleichzeitig der Namensgeber dieses Programms). Zwischen den einzelnen Stücken nach Comicwerken von Barbara Yelin, Elke Renate Steiner, Ken Krimstein, Cliò Agrapidis und Elena Mistrello erklingen Felix Mendelssohn Bartholdys Sechs Lieder ohne Worte op. 67. Sie dienen als Reflexionsraum und zugleich als Inspiration für die Vertonungen.
Die Theaterpädagogik bietet im Rahmen der Comic-Woche verschiedene themenbezogene Workshops für Schulklassen und Gruppen an. Infos hierzu bei Karina Paula Kecsek: [email protected]
Fotos © Barbara Yelin und Johannes Stahl