Ohne Hoffnung und Verzweiflung

Antike-Baukasten II

Online verfügbar

Mit Texten von Heiner Müller

Herakles, der berühmte Lohnarbeiter aus der griechischen Mythologie steht im Zentrum der theatralischen Installation, die sich den Antike-Texten Heiner Müllers widmet. Während des Kampfes mit der Hydra muss Herakles die überraschende Erfahrung machen, dass er selbst zu einem Teil des Ungeheuers geworden ist. Während er den Thebanern den zum Himmel stinkenden Stall des Augias reinigt, empört er sich: Ihr wollt das Fleisch ohne Mist! So gesehen, beschreibt Herakles auch den Zustand unserer Welt. Wie in einem Spiegel, einem Brennglas können wir uns in den alten Mythen selbst entdecken: Medea, die Liebe mit Verrat bezahlt und mit dem Mord an ihren Kindern einen zerstörerischen Kampf führt, lebt in uns fort. Wir sind die Erben des Argonauten Jason – unsere Kultur ist auch die Spätfolge einer uralten Kolonialisierungsarbeit.

Heiner Müller interessierte sich sein Leben lang für Mythen, vor allem für die griechischen und römischen. Er versteht sie als „geronnene kollektive Erfahrungen“ von globaler Bedeutung, „ein Esperanto, eine internationale Sprache, die nicht nur in Europa verstanden wird.“ Der Mythos ist für ihn „ein Aggregat, eine Maschine, an die neue und immer andere Maschinen angeschlossen werden können.“ Mit großer poetischer Kraft verdichtet Heiner Müller die Überlieferungen der klassischen Antike, baut sie um und schreibt sie neu. Insbesondere angesichts der großen globalen Krisen erfährt die Dichtung des 1995 verstorbenen Autors eine neuerliche Aktualität und Brisanz, auch weil wir immer öfter das Gefühl haben, mit unserem rational-funktionalen Denken nicht mehr weiter zu kommen. Der Mythos lebt.

Theaterstream anlässlich des Geburtstags von Heiner Müllers Geburtstag ab 09.01.2022 auf #digitog

Heiner Müller (1929-1995) gilt heute als einer der wichtigsten deutschen Autoren der Nachkriegszeit. Anlässlich seines Geburtstages am 09. Januar veröffentlicht die Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg / Neustrelitz  einen Online-Stream der Theaterproduktion „Ohne Hoffnung und Verzweiflung“.  Der Titel ist ein Zitat Müllers: Am Ende eines von gewaltvollen historischen Zäsuren geprägten Lebens empfahl er einen ebenso nüchternen wie realistischen Blick auf die Zukunft und das Leben.

Das Landestheater Neustrelitz ist Heiner Müller auch regional verbunden: Müllers schriftstellerischer Weg begann einst im Mecklenburgischen Waren, wo er nach dem Krieg im Landratsamt angestellt war. Später zog  es ihn nach Berlin, wo er an der Volksbühne und am Berliner Ensemble arbeitete.

Die Inszenierung „Ohne Hoffnung und Verzweiflung“ in der Inszenierung von Tatjana Rese entstand 2020 unter dem Eindruck der ausbrechenden Corona-Pandemie.

Angesichts der aktuellen globalen Krisen erfährt Heiner Müllers kritisches Geschichtsbild und seine unverwechselbar bildhafte Dichtung eine neuerliche Aktualität und Brisanz. Mit dem Streaming der Inszenierung wollen wir diese einem breiten Publikum näherbringen.

 

Verfügbar vom 09.01-09.02.
Trailer: Eric Wegner

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